Foto: © Hagen Hansen (www.hagenhansen.de)


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INNENANSICHT

AUSSENANSICHT

Die Schifferkirche in Ahrenshoop ist die jüngste der drei Kirchen auf dem Darß.

In den Jahren 1950 bis 1951 in der Dienstzeit von Pfr. Dr. Wilhelm Pleß wurde sie nach den Plänen des Architekten Professor Hardt- Waltherr Hämer erbaut. Am 14. Oktober 1951 wurde sie als Gotteshaus geweiht. Diese kleine Kirche bestehend aus Holz und Rohr fügt sich harmonisch in die Landschaft ein. Die Altarwand bildete früher den Ostgiebel der Kapelle, wo eine kleine Glocke befestigt war. Die Aufgabe des Architekten bestand darin, auf kleinstem Raum ein Gebäude zu schaffen, das als Sakralbau wahrgenommen werden kann. Dies ist ihm durch ursprünglich sechs Dreigelenkbinder gelungen, die mit Stahllaschen den Gesamtbau zusammenhalten. Besonders wichtig war dem Architekten die Bedeutung des Lichtes im Raum. So ist der Westgiebel als Glaswand gestaltet. Die Kirche ist eine rufende und zugleich einladende und nach außen hin geöffnete Kirche. Die Empore wurde als Vorwand eingebaut, da die Baugenehmigung nur als Friedhofskapelle in einem sozialistischen Künstlerort genehmigt werden konnte. Die Altarwand wird durch das Tageslicht erhellt. In dunklen Stunden kann zusätzliches künstliches Licht eingeschaltet werden.

Bevor am 14.Oktober 1951 Bischof Karl von Scheven aus Greifswald die Einweihung vornahm, musste der Innenraum mit den notwendigsten Utensilien ausgestattet werden. Da das Geld fehlte, nahm Prof. Hämer kurzerhand die Marmorplatte des Schreibtisches seines Vaters und benutzte zur Auflage der Platte Klinkersteine, die auch als Fußbodensteine verwendet wurden. So entstand der Altar. Eine Messingschale, die zuvor im Küchenhaushalt ver-wendet wurde, nun auf einen Hocker gestellt – bildete die Taufe.Die Ahrenshooper Bildhauerin Frau Doris Oberländer übernahm die Innen-ausstattung der Kirche. Dazu benutzte sie das Holz der Pappel, die für den Bau dieser Kirche gefällt werden musste. Eindrucksvoll hat sie die Kanzel gestaltet. Auf dem Kanzelblock sind die Symbole der 4 Evangelisten abgebildet: Engel, Löwe, Stier und Adler. Die Altarwand besteht ebenfalls aus Pappelholz.

Der Spruch aus dem Johannesevangelium, Kap. 14: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ war bereits von der Künstlerin als Goldinschrift geplant. Da Gold fehlte, nahm sie Goldbronze, die mit der Zeit oxidierte und dunkel wurde. Die Gemeinde gewöhnte sich im Laufe der Jahre an diese dunkle Schrift. Als die Vergoldung vor zwei Jahren eingebracht wurde, waren viele zunächst sehr verwundert.Der Taufständer, auch aus dem Holz geschnitzt, stellt drei Kinder dar, die die Schale tragen. Vier Modellschiffe, die der Kapitän Heinrich Voß fertigte, zieren das Innere der Kirche. Sie tragen Namen aus dem „Hohen Lied der Liebe“ des Apostel Paulus aus seinem 1. Korintherbrief, Kap. 13:  „Glaube“, „Hoffnung“ und „Liebe“.  Das kleinste Schiff trägt den Namen „Frieden“. 1961 wurde eine kleine Orgel (Positiv) der Firma Schuke aus Berlin auf die Empore gebracht. Dies war ein erheblicher Eingriff in die Architektur des Gesamtgebäudes. Sowohl die Form als auch der Ort durchkreuzte die ursprüngliche Absicht des Erbauers. Zudem kommt beschwerlich hinzu, dass sie ganz im Zeitgeschmack der sechziger Jahre intoniert wurde – scharf und hochtönig. Da die Lade geteilt ist, können nur wenige klassische Orgelstücke darauf gespielt werden. Unter der Sonneneinstrahlung und dem Windzug (Verglasung und Eingangstür), leidet die Stimmung  des Instrumentes. Gut gemeinte Verbesserungen haben diese Kirche von ihrer ursprünglichen Fassung grundsätzlich verändert. Der Architekt und Urheber konnte darauf keinen Einfluss nehmen, da er in Westdeutschland lebte und wirkte.

Beim Jubiläum zum 50jährigen Bestehen der Kirche (2001) wurde gemeinsam mit der Kirchengemeinde und dem Architekten ein Förderverein ins Leben gerufen. Aufgabe und Zielsetzung war die behutsame Erneuerung und Erweiterung der Kirche. Was zunächst als Reparatur gedacht war, stellte sich bald als umfassende Sanierung des Gesamtgebäudes dar. Durch Korrosion (Verwitterung) waren die tragenden und stützenden Metallelemente so verschlissen, dass ohne diese Baumaßnahmen das Gesamtgebäude zusammengefallen wäre. Komplett wurde der Fußboden erneuert und mit einer Heizung und Belüftungs-anlage versehen. Die Außenhaut wurde einzeln abgenommen, behandelt und wieder eingebracht, nun aber mit einer entsprechenden Dämmung. Um ein Joch wurde das Kirchenschiff verlängert – so entstand eine Sakristei. Um dennoch das natürliche Licht für die Altarwand zu haben, wurde ein Glasband in das Rohrdach eingefügt. Der Turm besteht aus COR-TEN–Stahl und beherbergt ein Geläut mit drei Glocken. Er nimmt die Form der Kirche von der vertikalen in die horizontale Richtung wieder auf. Diese wesentlichen umfassenden Baumaßnahmen wurden in drei Monaten durchgeführt, so dass die Kirche am 4. Advent 2005 durch Bischof Dr. Hans Jürgen Abromeit aus Greifswald wieder eingeweiht werden konnte. In dieser Einweihungsfeier wurden die Glocken in den Dienst genommen. Dank von vielen Spendern – besonders natürlich den Großspendern -  war die Finanzierung möglich. Ziel der Kirchengemeinde, des Architekten und des Fördervereins ist eine neue Orgel. Sie soll zukünftig hinter der Altarwand in der Sakristei aufgebaut werden. Alle Baumaßnahmen werden vom Urheber und Architekten der Kirche Prof. Hardt-Waltherr Hämer vorbereitet und begleitet.